Von Malente nach Belfast

 In Nordirland 2023

7. Juni 2023

… ich mache heute das, wozu Frederick mir schon ständig Vorschläge macht: Unseren Reisebericht schreiben! Es wird ja auch wirklich Zeit. Schließlich treiben wir uns schon 14 Tage auf der Grünen Insel Irland (genauer gesagt: Nordirland) herum und noch keinen Buchstaben geschrieben…! Ich beginne also damit, was Frederick so Mir nichts– Dir nichts mir hingeworfen hat: „Von Malente nach Belfast“, immerhin gut 1800 km, zwei Fähren und Anreisedauer etwa 22 Stunden ohne Pause (wir haben die Strecke natürlich auf einige Tage verteilt). Diese Reise war ursprünglich für 2020 geplant gewesen und die Fähren waren bereits gebucht. Glücklicherweise waren spätere Abfahrten als die gebuchten möglich, so dass wir kein Geld bei den Umbuchungen verloren.

Montag, 22. Mai 2023 (Vorbereitungen)

Es ging ans Packen für die Reise, was doch immer etwas dauert, obwohl wir schon dank der vielen Touren eine gewisse Routine dafür entwickelt haben sollten. Die Gas- und Dieseltanks wurden aufgefüllt. Außerdem gönnten wir unserer Perle, der Wohnung auf Rädern, auch noch eine Komplettwäsche. Jetzt war alles bereit für die Abreise. Abwasser entsorgen und Frischwasser nachfüllen würden wir auf dem ersten Stellplatz unterwegs erledigen, da unsere Malenter Entsorgungsstelle schon seit vielen Monaten außer Betrieb ist!

Dienstag, 23. Mai 2023 (Abreise)

Am diesem 23. Mai standen leider noch zwei Arzttermine in Eutin im Wege, aber nachdem sie „abgehandelt“ (und wir das All Clear bekamen) hatten, ging es gleich mittags von dort aus los auf unsere Tour mit Ziel Irland/Nordirland.

Kaum gefahren und schon der erste Stau. Leider hatte es einen Unfall auf der A1 zwischen Bremen und Osnabrück gegeben mit der Folge, dass die Autobahn dort komplett gesperrte wurde. Wir fuhren in Delmenhorst ab, aber es war sehr langsam, weil natürlich alle anderen das auch taten. Unser ursprüngliches Tagesziel Wesel am Rhein gaben wir auf und unterbrachen unsere Fahrt in Lingen im Emsland.

Malente - Lingen (Emsland)

Malente – Lingen (Emsland)

Linus Erlebnisbad in Lingen

Linus Erlebnisbad in Lingen

Dort gab es einen schönen Stellplatz am “Linus Erlebnisbad”, 5€ für die Nacht in ruhiger Umgebung und mit einer vernünftigen Ver- und Entsorgung am Platz. Dieser Preis ist mehr als gut. Man zahlt an der Kasse des Bades.

Leider war es auf Grund der Verkehrsverzögerungen doch ein wenig zu spät für uns, noch ins Zentrum zu laufen. Die Geschäfte waren sowieso schon zu. So vertraten wir uns vor Ort nur ein wenig die Füße und genossen dann unser Abendessen im Wohnmobil. Es gibt ja immer ein nächstes Mal…, vielleicht entdecken wir Lingen auf der Rückreise.

Mittwoch, 24. Mai 2023

Schon früh am Morgen fuhren wir weiter Richtung Dünkirchen. Es ging über Duisburg, Venlo (Niederlande) und Turnhout (Belgien) Richtung Antwerpen. Kurz vor Antwerpen informierte uns das Navi über eine Sperrung des Kennedy-Tunnels. Wieder wurden wir umgeleitet, was uns letztendlich mehr als eine Stunde Verspätung einbrachte. Danach ging es aber zügig weiter. Da die Überfahrt erst für den nächsten Morgen um 10 Uhr gebucht war, steuerten wir den direkt neben dem Terminal gelegenen Stellplatz (für Wohnmobile und PKW’s) an. Im Servicegebäude des Terminals gibt es Toiletten und einen Kaffee-Automaten. Brauchten wir nicht, ist aber nützliche Information für andere.

DFDS Terminal in Dünkirchen

DFDS Fährterminal in Dünkirchen

Lingen - Fährterminal Dünkirchen

Lingen – Fährterminal Dünkirchen

Schlaflose Nacht wegen Hundegebell

Nur wenige Wohnmobile standen auf dem Platz. Leider gesellten sich  am Abend noch zwei Gespanne hinzu. Diese transportierten Hunde, die in den ventilierten Anhängern untergebracht waren. Aber den Hunden gefiel das offenbar nicht. Unaufhörlich bellten sie. Einer dieser Hänger mit bellenden Hunden stand direkt unterhalb unseres Schlafraumfensters.  Da befanden wir uns schon im Halbschlaf! Hunde und Transporteure brauchten wohl Auslauf und frische Luft, und so ging es los mit endlosen lauten Gesprächen und die Hunde bellten ständig. Sie hörten sich verängstigt an und ließen sich offenbar nicht beruhigen. An Schlaf war nicht zu denken.

Gegen zwei Uhr morgens “bellte” dann auch Frederick mal aus dem Fenster  mit der Bitte, ob die Truppe nicht etwas weiter entfernt parken könnte. Der Stellplatz bot noch genügend freie Fläche. Frederick gab den Hinweis, fit sein zu müssen für die lange Fahrt, die ab Dover vor uns lag. Die Leute machten das dann auch, aber das dauernde Gebell der Hunde drang auch etwas weiter entfernt zu uns. Frederick stand dann in aller Herrgottsfrühe auf und ging hinüber zum Servicegebäude des Terminals, um anzufragen, ob wir die 8 Uhr Fähre (statt 10 Uhr) nehmen könnten. Das war glücklicherweise kein Problem. Der Gedanke dahinter war, dass wir dann vielleicht noch Zeit für eine Fahrtunterbrechung haben würden, um uns auszuruhen.

Donnerstag, 25.5.2023

Ziemlich gerädert und ohne Frühstück im Wohnmobil – reihten wir uns ab 7 Uhr in die Zufahrtslinien zur Fähre des Unternehmens  DFDS ein. Zügig ging es dann durch Pass- und Fahrzeugkontrolle. Um den Schmuggel von Asylanten einzudämmen, wurde auch in den Schränken unter unserem Bett nachgeschaut. Viel war ansonsten nicht los, wir mussten nicht warten. Es waren überwiegend Lkw’s, die auf die Fähre wollten. Das ist dann immer etwas gruselig an Bord der Fähre, eng zwischen diesen Monstern von Fahrzeugen zu stehen.

Nach der verkorksten Nacht winkte nun als Trost ein gutes “English Breakfast” auf der Fähre, aber nicht „full“ (wir verzichten auf Würstchen und Bacon): Also Toast, Baked Beans, Mushrooms, Tomatoes and Fried Eggs), lecker!

Das Kuchenbüfett auf der Fähre

Das Kuchenbüfett auf der Fähre

English Breakfast auf der Fähre

English Breakfast auf der Fähre

Wie oft wir auch die Ankunft per Fähre in Dover schon erlebt haben, sind wir immer wieder bewegt und begeistert von dem Blick auf die weißen Cliffs! Wieder einmal hatten wir das Glück, sie an diesem Morgen strahlend weiß in der frühen Morgensonne zu erleben! Wunderschön!

Dover Fährhafen

Dover Fährhafen

The "White Cliffs of Dover"

The “White Cliffs of Dover”

Unser heutiges Ziel war die Stadt Retford in Nottinghamshire (lt. Navi etwa 4 ½ Stunden Richtung Norden), ein Besuch bei unserer deutschen Freundin Manuela. Wir kannten sie und ihre Familie aus Cornwall. Vor einigen Jahren hatten sie sich aus verschiedenen Gründen für einen Umzug nach Retford entschieden. Wie gut, dass wir durch die frühere Fähre zwei Stunden gewonnen hatten. Denn uns erwarteten einige Staus und massiver Autoverkehr entlang der Strecke, so dass wir den verabredeten Zeitpunkt von 4 Uhr nachmittags gerade mal so einhalten konnten. Besonders die Fahrt durch den Osten von London inklusive dem engen Blackwell-Tunnel unter der Themse war eine Herausforderung für den Fahrer, zumal im Linksverkehr.

London Docklands Skyline

London Docklands Skyline

Durch den Blackwell-Tunnel in East London

Durch den Blackwell-Tunnel in East London

Die Wiedersehensfreude war groß, wenn auch tragischerweise jemand fehlte: Manuelas Mann Phil war nach dem Umzug aus Cornwall schwer erkrankt und kurz darauf verstorben. Tochter Emily wohnt jetzt mit ihrem Freund bei ihr. Manuela hat sich einen Job gesucht und “Life goes on”, das Leben geht weiter.

Dünkirchen - Retford

Dünkirchen – Retford

Drei Grazien in Pink, Manuela, Anne und Emily

Drei Grazien in Pink, Manuela, Anne und Emily

Da wir mit unserem großen Fahrzeug nicht über Nacht in Manuelas schönem Wohngebiet stehen konnten, hatte Frederick vorher einen Platz etwas außerhalb von Retford ausgesucht. Den fuhren wir schlauerweise vorher an, aber leider wollte man uns wohl doch nicht dort haben. Das Tor/die Zufahrt war versperrt und telefonisch war niemand zu erreichen.

Das ist überhaupt so ein Problem in England: Öffentliche Wohnmobilstellplätze sind (noch) nicht so üblich, freies Stehen nicht erlaubt, von Farmen angebotene Plätze häufig erst ab zwei oder drei Übernachtungen erwünscht und auf Campingplätzen sollte am besten vorgebucht werden, am liebsten auch gleich für mehrere Übernachtungen (eine Woche). Hier liegen die Kosten zwischen 30 – 50£ pro Tag, je nach Ausstattung. Derartige Kosten kann man sich bei einer 4-wöchigen Rundfahrt gar nicht erlauben!

Also verabschiedeten wir uns nach einem tollen Abendessen (praktischerweise “Take Away” vom China-Restaurant) gegen 21 Uhr von Manuela und fuhren noch eine Stunde weiter. Unser Plan, auf einem der Rastplätze auf der Autobahn zu übernachten, ging auf. Und zwar ist das kein „wildes“ Übernachten, sondern man kann für die Übernachtung (in unserem Fall 15£) online buchen und bezahlen. Das ist ein fairer Deal, wir fühlten uns sicher und schliefen gut (was nach der vergangenen Nacht mit den Hunden absolut nötig war).

Freitag, 26. Mai 2023

Deutschland, die Niederlande und Frankreich hatten wir schon hinter uns gelassen und fuhren jetzt durch Nordwestengland und das letzte Stück bis zur Fähre (ca. 100 km) durch Südwestschottland.

Immer schön links halten

Immer schön links halten

Grenze nach Schottland

Grenze nach Schottland

Der Fährhafen liegt in Cairnryan, Stranraer. Die Stenaline-Fähre sollte um 15.30 Uhr nach Belfast ablegen. Wir schienen gut in der Zeit zu liegen – und dennoch, für einen Kurzbesuch in Stranaer, nur um die Ecke von Cairnryan reichte es nicht – vielleicht klappt es auf der Rückfahrt, da haben wir mehr Zeit.

Der Fährhafen für die Irlandfähren, Loch Ryan Port, Cairnryan liegt in der Region Dumfries und Galloway, Schottland. Täglich legen bis zu 6 x die Fähren nach Belfast ab, die Überfahrt dauert etwa knapp drei Stunden. Cairnryan selbst ist ein kleines Dorf mit einer Bevölkerung von etwa 140 Menschen. Es gibt trotzdem eine Anzahl von Hotels, B&B’s, Pensionen und Läden, Cafés, Restaurants.

Wir fuhren also auf den großen Parkplatz am Fährhafen, der Ticketautomat war „Out of Order“, funktionierte also nicht und so war es hier mal kostenloses Parken!

Cairnryan - Belfast Fähre

Cairnryan – Belfast Fähre

Oakhill Café an der Straße nach Cairnryan

Oakhill Café an der Straße nach Cairnryan

Ein kleiner Erkundungsrundgang folgte. Der Fährterminal ist nichts Besonderes. Frederick gönnte sich eine kurze Augenpflege und dann wurde es auch schon Zeit, sich in die Warteschlange auf die Fähre einzureihen. Lange Zeit tat sich nichts. Es dauerte und dauerte, schließlich fast eine Stunde über die geplante Abfahrtszeit hinaus – offenbar gab es technische Probleme – wurden die Fahrzeuge auf die Fähre gelassen. Dort angekommen, schauten wir uns schon mal nach den Rettungswesten um, sicher ist sicher…!?

Alles ging gut bei der Überfahrt– wir genossen unser erstes (kleines) Guinness an Bord – und erreichten nach einer sehr ruhigen Fahrt gegen 19 Uhr den Hafen in Belfast. Von dort waren es nur noch 10 Minuten nach Newtownabbey, wo wir sogar kostenlos direkt an der Seafront übernachten konnten. Nur eine Nacht ist auf dem für alle Fahrzeuge nutzbaren öffentlichen Parkplatz erlaubt (offenbar zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit bei uns Großen). Neben uns parkte ein Wohnmobil mit Schweizer Kennzeichen. Insgesamt standen fünf Wohnmobile auf dem Platz. So fühlten wir uns sicher, “Safety in Numbers” … immer gut, wenn da schon einer oder weitere  stehen!

Stellplatz Newtownabbey (Belfast)

Stellplatz Newtownabbey (Belfast)

Retford (UK) - Belfast (Nordirland)

Retford (UK) – Belfast (Nordirland)

Nun galt es – nach der langen Fahrt – die Beine zu vertreten. Geradezu grandios dieser Platz mit toller Aussicht auf die Belfaster Bucht. Offenbar in erster Linie den Pkw’s vorbehalten und den Leuten, die nach Feierabend bei einem Spaziergang am Meer Entspannung suchen. Ein schöner Kinderspielplatz liegt direkt nebenan. Und tatsächlich auch ein kleiner Womo-Campingplatz, der jedoch voll belegt war (hätte etwa 26£ gekostet).

Blick auf die Bucht von Belfast

Blick auf die Bucht von Belfast am Morgen

Direkt neben dem Stellplatz: Hommage an die Rockmusik

Direkt neben dem Stellplatz: Hommage an die Rockmusik

Nun waren wir zwar nur sieben Kilometer von Belfast entfernt und konnten doch nicht ins Zentrum gelangen, da es dort keine Stellplätze gibt. Wir hatten für den nächsten Tag einen Besuch in der Stadt geplant, entschieden uns letztendlich dagegen. Das neue Ziel war Portrush, ein Seebad an der Nordküste, das wir schon von unserer Reise in 2018 kannten.

Portrush

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Portrush Beach Panorama
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