Spanien September 2022

 In Spanien 2022

Durch die Pyrenäen

Es ist Montag, der 19. September und ein Blick auf die heutige Route durch die Pyrenäen von Saint Jean Pied de Port in Frankreich nach Pamplona verspricht etwa 1 ½ Stunden Autofahrt für die 75 km. Wir benötigten jedoch gute zwei Stunden, weil es mitten durch die Berge ging, heißt: Serpentinen ohne Ende. Frederick fuhr all diese engen Kurven wie ein Weltmeister, oder besser gesagt: wie ein professioneller Busfahrer! Mir allerdings war schon fast ein bisschen schlecht und unserer Besteckschublade leider auch, sie knallte in einer besonders engen Kurve (wieder mal) mit großem Getöse aus der Verankerung. Das verursacht natürlich immer einen Riesenschreck, vor allem beim Fahrer! Ein Streit über das richtige Sichern von Schubladen war unvermeidlich, ich gab der Schwerkraft die Schuld und räumte kurzentschlossen während der Fahrt alles an Besteck aus, wickelte es in ein Handtuch und packte es unter die Bettdecke.

Saint-Jean-Pied-de-Port - Pamplona

von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Pamplona

Trecker Oldtimer, gesehen auf der Fahrt nach Pamplona

Trecker Oldtimer, gesehen auf der Fahrt nach Pamplona

Zum Glück war diese Straße nicht viel befahren, einige Male sahen wir Pilger entlang der Straße laufen in der glühenden Hitze, bepackt mit großem Rucksack. Wir dagegen ließen es uns in unserem klimatisierten Fahrzeug gut gehen! Sie taten uns aber leid, die Pilger.

In Pamplona angekommen, suchten wir als erstes eine LPG-Tankstelle, da unser Gasvorrat zur Neige ging. Die im Internet ausgesuchte Tankstelle war aber ein Fehlschuss. Man verkaufte dort nur mit Gas gefüllte Flaschen. Dann also doch erst einmal zum nagelneuen Stellplatz unterhalb der Altstadt. Zufällig liegt der Platz direkt neben einer Tankstelle, wo es glücklicherweise auch LPG-Gas gibt… und frisch aufgebackene Baguettes! Wie praktisch! Endlich konnten wir Gas nachtanken und gleichzeitig fürs Abendessen sorgen: Kalte Küche!

Parlamentsgebäude der Navarro Regionalregierung

Parlamentsgebäude der Navarro Regionalregierung

Stadtmauer und Tor zur Altstadt

Stadtmauer und Tor zur Altstadt

Pamplona – Stadt des Stierlaufs (Encierro)
Am Stellplatz bezahlten wir 10€ für die Übernachtung am Automaten. Auch hier war Strom im Preis enthalten. Wie immer liefen wir gleich wieder los, die Innenstadt ist nur 15 Minuten entfernt. Wie gut, dass es September war und nicht Juli. Da hätten wir keinen Fuß in die City gesetzt, weil dann der sogenannte Stierlauf (Encierro) während der mehrtägigen Feste (Sanfermines, seit 1591 gefeiert) stattfindet. Viele Stiere werden von wagemutigen Läufern durch die Straßen getrieben, direkt zur Stierkampfarena, um sich dort im Kampf gegen die Toreros zu beweisen. Wie man sich vorstellen kann, endet das für die Stiere nicht gut. Aber eine Statistik sagt auch aus, dass seit 1924 etwa 15 Menschen allein schon beim Stierlauf getötet wurden. Schwangeren und Kindern ist die Teilnahme am Lauf verboten. Ein bewusst in Kauf genommenes gefährliches Unterfangen also.

Altes Rathaus

Altes Rathaus

Zwei grimmige Stiere

Zwei grimmige Stiere

Pompöse Stierkampfarena mitten in der Altstadt

Pompöse Stierkampfarena mitten in der Altstadt

Außer diesem etwas vorgeschichtlichen Ritual ist Pamplona eine der Hauptstationen am mittelalterlichen Jakobsweg. Viele gotische Kirchen bieten sich zur Besichtigung und zur inneren Einkehr an. Die gewaltige Festungsanlage wie auch die Kathedrale von Pamplona sind beeindruckend, weniger die riesige Stierkampfarena in der Altstadt. Ist halt eine andere Kultur. Die sehr hohen alten Häuser in der Casco Viejo, der Altstadt stehen eng, so dass sie in den schmalen Gassen Schatten bieten. Ob es in diesen alten Gemäuern wohl Fahrstühle gibt?

Haus in der Altstadt

Haus in der Altstadt

Altstadtgasse

Altstadtgasse

Plaza del Castillo

Plaza del Castillo

Blick von der Rotunde auf die Plaza del Castillo

Blick von der Rotunde auf die Plaza del Castillo

Monument der Fueros

Monument der Verfassung

Noch eine Altstadtgasse

Noch eine Altstadtgasse

Pamplona ist die Hauptstadt der autonomen Region Navarra und hat etwa 200.000 Einwohner. Über den Fluss Arga führt die mittelalterliche Puente Magdalena, die Magdalenenbrücke. Um ehrlich zu sein, hatten wir die Großstadt  schnell über, suchten uns ein Café zum Einkehren und ließen den Tag bei einem kühlen Bier und Nachos ausklingen. Mich haben dann doch die ungepflegten Ecken und das viele Graffiti an Hauswänden und Türen gestört und ich war etwas enttäuscht von der Stadt. Wir werden morgen weiterfahren. Genug von Großstadt.

Saragossa – Noch eine Großstadt
Gut ausgeschlafen und mit dem einen oder anderen Spanien-Fahrer unter den Wohnmobil-Reisenden kurz Kontakt aufgenommen, entschieden wir uns nun doch für einen Kurzbesuch in der Großstadt Saragossa (700.000 Einwohner, spanische Schreibweise Zaragoza).

Die etwa 180 km lange Strecke legten wir auf einer mautpflichtigen Autobahn zurück, also entspanntes Fahren, da wenig Verkehr und keine Serpentinen! Kosten: 20 Euro. Wir fuhren durch die unterschiedlichsten Landschaften: Ackerbau, Olivenhaine, riesige Felder von verblühten Sonnenblumen auf dem Hochplateau (durchschnittlich 1000 Meter). Viel Schieferboden, wie an Rhein und Mosel. Die Farben wechselten von grünem Bewuchs zu sandigen Böden in Ocker und Rot, schön fürs Auge.

Der Stellplatz in Saragossa liegt in der Nähe des Universitätsgeländes und ist ziemlich neu, mit kostenloser Ver- und Entsorgung offensichtlich ein gern angefahrener Platz von Reisenden, die die Stadt besichtigen wollen. Wir mussten uns mit einer Lücke auf dem angeschlossenen Parkplatz begnügen, da alle Plätze (etwa 30) belegt waren. Genau gegenüber ist eine Straßenbahn-Haltestelle. In dem Moment, als wir zur Haltestelle hinüberlaufen wollten, fuhr ein Wohnmobil weg und machte Platz für uns. Es war uns wohler, auf dem vorgeschriebenen Stellplatz zu stehen und kurzentschlossen parkte Frederick unser Fahrzeug um.

von Pamplona nach Saragossa

von Pamplona nach Saragossa

Aquädukt, gesehen auf der Fahrt nach Saragossa

Aquädukt, gesehen auf der Fahrt nach Saragossa

Wir kamen dort mit einem netten Paar aus Irland ins Gespräch. Sie hatten – ohne Campingerfahrung – sich recht spontan ein Wohnmobil in Frankreich gekauft (Steuerung also links), ihr Haus in Irland für ein Jahr über eine Agentur vermietet (das Haus bezahlt also für ihre Reisen) und touren nun für zwölf Monate durch Europa. Von diesem Lebensstil waren beide vom ersten Moment an begeistert, eine neue Erfahrung im fortgeschrittenen Alter (waren beide wohl Ende 60).

Stadtbesichtigung
Wir gingen zur Haltestelle, die Tickets am Automaten waren problemlos gekauft und innerhalb von 10 Minuten brachte uns die sehr moderne Straßenbahn ins Zentrum.

Die Hauptstadt der Region Aragonien faszinierte uns von der ersten Sekunde! Am Ufer des Ebro gelegen, fiel uns gleich die Basilica de Nuestra Señora del Pinar ins Auge. Die riesige Kathedrale ist eine berühmte Pilgerstätte. Auch hier in Saragossa gibt es wieder unzählige kirchliche Bauwerke, Paläste im Mudéjar-Stil. Er vereint islamische und gotische Architekturelemente aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

Ponte de Piedras - Steinerne Brücke über den Ebro

Ponte de Piedras – Steinerne Brücke über den Ebro

Basilica del Pilar in Saragossa

Basilica del Pilar in Saragossa am Ufer des Ebro

Im Inneren der Basilica del Pilar

Im Inneren der Basilica del Pilar

Die Basilica auf der Altstadtseite

Die Basilica auf der Altstadtseite

Museum "Forum Kaiser Augustus"

Das moderne Museum “Forum Kaiser Augustus”

Zwei Löwen bewachen die Zufahrt zur steinernen Brücke

Zwei Löwen bewachen die Zufahrt zur steinernen Brücke

Die Mudéjaren
Aus dem Internet erfahren wir, dass die Mudéjaren Muslime bzw. Araber waren, die sich der Herrschaft der spanischen, christlichen Könige untergeordnet haben. Sie hatten sich zwar der nun christlichen Welt angepasst, durften aber weiter ihre Religion, ihre Kultur ausüben und leben. Die neuen Mächtigen der Reconquista – der Rückeroberung aus arabischer Herrschaft – wollten auf die sehr geschickten Handwerker und Künstler nicht verzichten und räumten ihnen gewisse Freiheiten und Großzügigkeiten ein. Der Begriff “Mudéjar” bezeichnet “diejenigen, die bleiben durften”. Dank dieser Entscheidung der neuen Herrscher dürfen wir heute die schönen und reich geschmückten Gebäude bewundern. Bunte Dachziegel, Fliesen- und Intarsienarbeiten, Mosaiken,  Stuckverzierungen spielen eine Rolle in der arabischen Baukunst. Schaut man sich die Häuser an, gibt es sehr viel davon zu sehen – Bilder sagen mehr als Worte – ich hoffe, sie können einen Eindruck vermitteln.

Prachtgebäude, dahinter die Basilica

Prachtgebäude, dahinter die Basilica

Die Markthalle in Saragossa

Die Markthalle in Saragossa

Wunderschönes Café in der Fußgängerzone

Wunderschönes Café in der Fußgängerzone

Schönes Eingangsportal

Schönes Eingangsportal

Goya Statue vor der Kathedrale

Goya Statue vor der Kathedrale

Wir waren jedenfalls froh, dass wir dem Rat eines Freundes, hier doch einen Stopp einzulegen, gefolgt sind. Saragossa ist wunderschön! Problemlos hätten man hier einige Tage verbringen können. Doch wir hatten nur eine Übernachtung eingeplant. Sicherlich werden wir hier nochmals Station machen.

Teruel
Heute, es ist Mittwoch, der 21. September 2022, fahren wir weiter in die 170 km entfernte Kleinstadt Teruel. Von dieser Stadt hatten wir vorher noch nie etwas gehört. Da sie aber auf der direkten Route Richtung Alicante liegt, hatte Frederick ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass es durchaus lohnenswert wäre, dem Ort einen Besuch abzustatten.  Der Stellplatz war wieder einmal kostenlos mit Ver- und Entsorgung, allerdings ohne Strom. Das erschüttert uns nicht, weil wir ja gerade Gas nachgetankt hatten und damit das Kaffeekochen im Wohnmobil wieder gesichert war.

Teurer Wohnblock hoch oben über der Stadt

Teurer Wohnblock hoch oben über der Stadt

Torre (Turm) El Salvador

Torre (Turm) El Salvador

Von Saragossa nach Teruel

Von Saragossa nach Teruel

Teruel-Unesco Weltkulturerbe
Natürlich sucht Frederick die Stellplätze auch immer danach aus, was das Umfeld zu bieten hat. Entweder Natur pur oder – für uns wichtig – ein schönes Städtchen, das besichtigt werden kann. Nun also Teruel, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der autonomen Region Aragonien, auf einem Hochplateau von etwa 1000 Metern gelegen. Die etwa 36.000 Einwohner können sich glücklich schätzen, dass wegen des einzigartigen Ensembles der Mudéjar-Architektur ihre Stadt 1986 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde.

El Cid
Teruel liegt am Camino del Cid. El Cid (um 1050 – 1099) war ein kastilischer Ritter und Söldnerführer, der später zum spanischen Nationalhelden wurde und diese Route (heute eine ca. 1350 km lange Wander-, Rad-, Fahrtroute, erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts festgelegt) einst mit seinen Kriegern genommen hatte. Wer mag, lese gern einmal im Internet nach. Auch die Geschichte Spaniens ist so spannend und interessant. Die Älteren unter Euch werden sich vielleicht an den Hollywood-Film El Cid mit Charlton Heston und Sophia Loren erinnern (aus dem Jahr 1961). Hier spult sich das ganze Historiendrama der Rückeroberung des Landes (Christen gegen die Mauren) auf Zelluloid und in Farbe ab. Wir schauen uns den Film auf jeden Fall noch einmal an, um ein besseres Verständnis zu bekommen.

Vom Stellplatz, der neben einem Supermarkt liegt (wie praktisch!), spazierten wir durch sehr schöne Wohngebiete mit vielen neueren Häusern in Backsteinbauweise (was für Spanien eher ungewöhnlich ist) 30 Minuten hinunter zur Stadt. Eine sehr schöne Fußgängerbrücke in einer Art Barockstil führt über einen Canyon hinüber zur Altstadt. Schnell erreichten wir einen großen eleganten Platz mit Brunnen. Ringsherum waren die Häuser mit Fahnen des Landes, der Region und der Europa-Flagge geschmückt. Das deutet meist auf etwas Offizielles hin: Gemeinde, Justizgebäude o.ä.

Fußgängerbrücke zur Altstadt

Fußgängerbrücke zur Altstadt

Fußgängerbrücke zur Altstadt

Fußgängerbrücke zur Altstadt

Kathedrale Santa Maria

Kathedrale Santa Maria

Plaza del San Juan

Plaza del San Juan

Teures Café
Die Sonnenschirme der Cafés spendeten Schatten. Trotzdem nahm kaum jemand das Angebot an – es war wohl noch Siesta und niemand so richtig unterwegs außer uns, und wir waren hungrig! Wir wählten uns einen Tisch in einem der Cafés auf der Plaza San Juan und bestellten Apfelkuchen mit einer Kugel Eis und Café Americano, das ist die größere Tasse Kaffee. Bestellt man nur Kaffee, wird in der Regel ein kleiner Espresso geliefert, der kostet ca. 1,10 – 1,20 €. In dieser schicken Atmosphäre sind auch die Preise entsprechend schick und angepasst: La cuenta por favor – die Rechnung, bitte. 15,60€ kostete das Vergnügen, fast schon deutsche Verhältnisse …

Die Stadt Teruel, von der wir ja bislang noch nie etwas gehört hatten, ist liebens- und lebenswert für seine Bürger und Touristen. An vielen Ecken ist die wunderschöne Mudéjar-Architektur zu bestaunen, im rötlichen Sandstein sind grüne, blaue und weiße Fliesenmuster eingearbeitet, an den hohen Türmen Verzierungen aller Art. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Kirchen, das Mausoleum Los Amantes, das Zentrum Dinópolis (ein Freizeitpark mit Attraktionen rund um die Geschichte der Dinosaurier) und natürlich die typischen engen Gassen mit einer Vielzahl von kleinen Läden. Am späten Nachmittag kommt Leben auf im Ort. Die Siesta, eine lange Mittagszeit ist beendet. Die meisten Geschäfte schließen zwischen 13 und 17 Uhr. In heißen Ländern gehen die Uhren eben anders.

Plaza del Torico

Plaza del Torico

Die roten Felsen am Stadtrand von von Teruel

Die roten Felsen am Stadtrand von Teruel

Hier bleiben wir etwas länger
Aus La Marina gab es keine Neuigkeiten hinsichtlich unseres Notartermins. Da uns die Stadt gefiel und in La Marina immer noch Temperaturen über 30 ° herrschten, beschlossen wir, hier in Teruel einige Tage zu verbringen, zumal wir auch Zeit investieren mussten, um mit unserem Reisebericht weiterzukommen. Am Donnerstag setzten wir uns dann endlich mal wieder ans Schreiben und an die Bildbearbeitung. Zwischendurch kauften wir im AlCampo Supermarkt, nur ein paar Schritte von uns entfernt, ein. Am späten Nachmittag vertraten wir uns dann in der näheren Umgebung ein wenig die Füße und waren doch schnell wieder verlockt, in einer kleinen Bar mit Außengastronomie etwas zu essen. Es wurden aber nur Getränke angeboten, Essen wurde erst ab 20 Uhr serviert. Also ab in die Brasserie A&F – im Wohnmobil zu essen war dann auch billiger.

Teruel

Teruel

Reste der alten Stadtmauer

Reste der alten Stadtmauer

 

Bernd aus dem Allgäu
Direkt neben uns stand ein Hymer-Wohnmobil mit dem Kennzeichen OA (Oberallgäu). Wie wir schnell herausfanden, gehörte es Bernd, einem Alleinreisenden auf dem Weg zum Campingplatz in La Marina. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus und staunten nicht schlecht, dass wir gemeinsame Bekannte in La Marina haben. Small World – auf der anderen Seite ist es wohl auch kein Wunder, wenn langjährige Camper vom selben Platz aufeinander treffen. Da ist dann aus dem Nähkästchen plaudern angesagt – wobei wir eher zu den Neulingen gehören (waren bisher nur zweimal im Winter auf dem Platz).

Mit Bernd verabredeten wir am Freitag ein Treffen im Stadtzentrum. Wir marschierten zu Fuß dorthin, er radelte. Das erwies sich im Nachhinein als unpraktisch – wohin mit einem unhandlichen Fahrrad beim Bummeln durch die engen Gassen?

Bernd war bereits in der Altstadt und sandte uns seine Koordinaten. Dorthin schlenderten wir dann auch. Gemeinsam wählten wir ein Café an dem belebten Platz aus. Es lag am Plaza Torico, mitten in der Altstadt, nicht annähernd so elegant wie der Plaza Del Juan (wo wir soviel für Kaffee und Kuchen bezahlt hatten) und doch war es hier um so vieles gemütlicher. Der Plaza Torico ist bekannt für den kleinen Stier auf der großen Säule des Springbrunnens mitten auf dem Platz In der Auslage des Cafés sah es aus wie einer deutschen Bäckerei: viele unterschiedliche Kuchen und wir hatten die Qual der Wahl. Man musste bei der Dame im Laden bestellen, gleich bezahlen und alles selbst mitnehmen. Vielleicht machte dies den großen Unterschied zum Preis, denn wir bezahlten für (wieder mal) Apfelkuchen und Kaffee nur 6,60€ zusammen. So reicht das Taschengeld auf der Reise länger!

Kleiner Stier auf großer Säule

Der Stier etwas größer

Unser super-günstiges Kaffee- und Kuchen Gedeck

Unser super-günstiges Kaffee- und Kuchen Gedeck

Kleiner Stier auf großer Säule

Kleiner Stier auf großer Säule

Am Abend lud Bernd uns in sein Wohnmobil zum Fußball gucken ein, Nations-League Deutschland gegen Ungarn. Die deutsche Mannschaft verlor, – ein paar Gläser Wein und der nette Gesprächsaustausch mit Bernd halfen uns darüber hinweg.

Schreck am frühen Morgen – Stromalarm
Früh am Morgen des 22. Septembers um 6.45 Uhr weckte Frederick mich. Was war los? Sternschnuppen gucken oder einen doppelten Regenbogen ansehen? Es war doch noch dunkel und eher nachtschlafende Zeit. ALARM!!! Frederick war aufgewacht, seinem Bauchgefühl gefolgt und hatte auf der App den Zustand der Bordbatterie (Lithium) geprüft: Nur noch 7% geladen! Sie sollte nicht unter 10% sinken, das könnte sie zerstören und das dürfte dann teuer werden. Jetzt erklärte sich auch das Dauerpiepen am Abend zuvor, das Frederick mittels Tastendruck gestoppt hatte. Was also tun? Fahren, fahren, fahren zum Wiederaufladen der Batterie.

Zähne putzen, eine Pfütze Wasser ins Gesicht und sich anziehen war eines, dann aber los, Ziel: Albarracín, etwa 40 km entfernt, ein paar “Meilen” machen. Bernd hatte uns von diesem mittelalterlichen Ort mit seinen ca. 1030 Einwohnern berichtet. Aber wir wollten eigentlich erst auf der Rückreise im Frühjahr die am Camino del Cid liegende kleine Stadt besuchen. Wegen des Malheurs mit der Batterie änderten wir spontan unsere Pläne.

Teruel verlassend, fuhren wir die Straße an einem sehr großen Industriegebiet entlang. Jetzt wurde mir klar, dass hier sicher viele Bürger von Teruel gute Arbeitsplätze gefunden haben und die Stadt deshalb so gut aufgestellt zu sein scheint. Unterwegs gab es aber auch noch viel Landwirtschaft, sogar Verkehrsschilder, die vor Wildwechsel (Hirsche) und sogar Kühen warnten. Nahe Teruel liegt ein “Friedhof” für stillgelegte Flugzeuge. Platz genug war ja auf dem Hochplateau. All die schönen Flieger stehen da nun herum…. das ist sicher auch der Corona-Pandemie geschuldet und die Fluggastzahlen deutlich zurück gingen. Die Landschaft wechselte, wir fuhren durch einen Canyon in roten und gelben Farben, mit hohen Felswänden, linker Hand der Río Guadalaviar. Es sah aus wie in den Wildwest-Filmen, Indianderland!

Die hohen Felsen auf der Fahrt nach Albaraccín

Die hohen Felsen auf der Fahrt nach Albaraccín

Die Hochebene auf der Fahrt nach Albarracín

Die Hochebene auf der Fahrt nach Albarracín


Albarracín

Gegen 8 Uhr kamen wir auf dem großen, aber noch leeren Parkplatz von Albarracín an. Ein Blick auf die App: Die Batterie war am Aufladen, war von 7 nun schon auf 29%. Wir waren sehr froh, offenbar hatte sie keinen Schaden genommen. Wir kauften ein Parkticket und frühstückten dann in aller Ruhe. Danach ging es zur Ortsbesichtigung. Schon vom ersten Moment an war uns klar, warum Albarracín als Kulturgut und historischer Ort eingestuft war. Bis zum Jahr 1851 war das Dorf Sitz eines Bischofs. Allerdings sieht man vom Glanz alter Zeiten wenig. Bestechend sind die alten Häuser aus Stein, Lehm und Fachwerk und die alte Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Erstaunlich war, in welch gutem Zustand alles ist. In den schmalen Gassen schien nichts begradigt,  erneuert. Kopfsteinpflasterwege  in schönster Unregelmäßigkeit führten immer höher hinauf, Achtung: Stolpergefahr! Das ganze Dorf ist in einen Berghang hineingebaut, faszinierend! Aber für die Anwohner wohl nicht ganz leicht, da der Zugang zu den einzelnen Häusern doch sehr mühsam ist. Für uns natürlich aufregend! Sehr gelungen ist es, mehrere der alten Landhäuser (an den Fassaden durfte offensichtlich nichts verändert werden, außer Reparaturen und Pflege) in kleine Hotels und Unterkünfte umzuwandeln. Der ganze Ort steht unter Denkmalschutz.

Interessante Bauweise

Interessante Bauweise

Eindruck von Albarracín

Eindruck von Albarracín

Enge, steile Gassen

Enge, steile Gassen

Ein Haus aus Naturstein

Ein Haus aus Naturstein

Hoch oben die Kirche

Hoch oben die Kirche

Noch eine enge Gasse

Noch eine enge Gasse

Nach und nach füllten sich die Gassen mit mehr und mehr Besuchern. Hier und da öffnete eine kleine Bar, ein Tabakladen und ein Souvenirshop in einem der alten Gemäuer. Es ist verblüffend, wie sich das ganze Jahrhunderte-alte Ortsbild erhalten konnte! In der näheren Umgebung gibt es prähistorische Felszeichnungen von Stieren und anderem. Auch das zieht natürlich Forscher und Touristen an. Als wir nach einer Stunde Erkundungstour zurück auf den Parkplatz kamen, war dieser mittlerweile gut gefüllt.

Zurück in die Moderne: Unsere App zeigte 32 A/h Aufladung bei laufendem Motor! Um die Ladeeffizienz der Solarpaneele zu verbessern, stieg Frederick durch die Fensterluke (sportliche Leistung!) aufs Dach und putzte die Paneele. Nach einer halben Stunde Schlafpause ging es dann zurück nach Teruel, denn mit dieser Stadt waren wir noch lange nicht fertig!

Abendliche Atmosphäre in Teruel
Juchuuu, 60% Ladung der Bordbatterie bei der Ankunft in Teruel! Damit hatten wir uns einen netten Abend mit einem Essen im Ort verdient. Bernd ließ sein Fahrrad dieses Mal zu Hause und begleitete uns zu Fuß ins Zentrum. Da es langsam dunkel wurde, waren Straßenlaternen schon eingeschaltet. Die schöne Atmosphäre und die angenehme Temperatur von 23 Grad brachte die Leute auf die Straße und in die Restaurants. Wir mussten eine Weile warten, um einen Platz im Außenbereich zu ergattern. Die Menükarte bot für jeden etwas und eine Entscheidung war schnell gefallen. Wir hatten einen tollen Abend zusammen! Vor allem waren wir froh, mit unserem Batterieproblem so gut davongekommen zu sein. Das hätte arg ins Auge gehen können. Ist ja nicht gerade billig, so eine neue Lithiumbatterie!

Plaza del San Juan erleuchtet

Plaza del San Juan erleuchtet

Anne und Bernd

Anne und Bernd

Abendliche Atmosphäre am Plaza Torico

Abendliche Atmosphäre am Plaza Torico

Sonnenuntergang in Teruel

Sonnenuntergang in Teruel

Los Amantes (Die Liebenden)
In der Nacht von Samstag auf Sonntag (25.9.) hatte es einen Temperatursturz gegeben: bis auf sechs Grad fiel das Thermometer! In anderen Gegenden Spaniens, Richtung Valencia wurden schwere Regenfälle gemeldet. Wir blieben also in Teruel. Tagsüber wärmte es sich bis 22 Grad auf, für uns also eine sehr angenehme Temperatur. Noch ein letztes Mal in die Stadt, zum Relief Los Amantes (Die Liebenden) de Teruel. Es ist eine Geschichte, die sich angeblich im Jahr 1217 ereignet haben soll. Ein wenig erinnert sie an Romeo und Julia. Hier eine Kurzfassung:

“Aus zwei wohlhabenden Familien des Ortes Teruel verliebten sich schon als Kinder Sohn Diego der einen und Tochter Isabel der anderen Familie. Leider verarmte Diegos Familie und Isabels Vater wollte seine Tochter nicht an den armen Schlucker hergeben. Diego bat um fünf Jahre Zeit, um durch harte Arbeit und Geschäftssinn wieder zu Reichtum zu kommen. Als aber die Zeit auf den Tag abgelaufen war, vergab Isabels Vater die Hand seiner Tochter an einen gut situierten Bewerber. Sie fügte sich wohl oder übel. Kurz darauf kehrte Diego als reicher Mann zurück, erfuhr von Isabels Hochzeit, suchte sie umgehend auf und bat um nur einen letzten Kuss, weil er stürbe. Sie wollte ihrem Angetrauten nicht untreu sein und weigerte sich, schweren Herzens. Also starb Diego tatsächlich an gebrochenem Herzen zu ihren Füßen. Isabel weckte ihren Ehemann und beide legten Diego heimlich in eine lokale Kirche. Isabels Mann hatte Angst, dass man ihm die Schuld an Diegos Tod geben würde. Am Tag der Bestattung zog Isabel ihr Hochzeitskleid an, schritt zu dem Leichnam und holte die Bitte Diegos nach, sie küsste ihn. Im selben Moment starb auch sie, dabei fiel sie auf den Körper des Mannes, den sie wirklich liebte”.

So geht die Legende, die natürlich auch ein Touristenmagnet ist. Viele Touristen besuchen das von Künstlerhand geschaffene Mausoleum.

Das alabaster-Relief und ein Blick auf die Oberstadt

Das Alabaster-Relief und ein Blick auf die Oberstadt

Alabaster-Relief oberhalb des Bahnhofs

Alabaster-Relief oberhalb des Bahnhofs

Wir entdeckten an unserem letzten Tag in Teruel noch das eine oder andere für uns Neue, zum Beispiel die Stierkampfarena, die uns vorher noch gar nicht aufgefallen war. Auch in Teruel gibt es die Fiestas mit den Stierläufen. Eine Keramikfliese an der Wand mit dem Bild eines jungen Mannes und seinen Daten erinnert an seinen vorzeitigen Tod. Den Kampf mit dem Stier hatte der junge Torero, 29 Jahre jung, nicht überlebt.

Maurisch beeinflusster Baustil

Unterschiedliche Baustile

Stierkampfarena

Stierkampfarena

Bildungseinrichtung nahe des Bahnhofs

Bildungseinrichtung nahe des Bahnhofs

Treppe vom Bahnhof hinauf zur Oberstadt

Treppe vom Bahnhof hinauf zur Oberstadt

Teruel: hier einen Stopp einzulegen, können wir wirklich empfehlen. Die Stadt bekommt mindestens 100 Punkte von uns!

Letzte Etappe: Teruel nach La Marina
Am Montag (26.9.) war es dann an der Zeit für unsere letzte Etappe nach La Marina. Beginn einer neuen Woche und der Anfang eines neuen Abenteuers: Der Erwerb einer Ferienwohnung in La Marina! Dreieinhalb Stunden sollte die Fahrt dauern. Die Autobahn war für den größten Teil der Strecke wenig befahren.

Erst bei der Annäherung an Alicante wurde es etwas belebter. Aber es gab keine Staus bis zu unserem Ziel. Dort ging es sofort auf den kostenlosen Stellplatz in Strandnähe. Als erstes folgte eine Wanderung in den Ort. 17 Uhr, die perfekte Zeit, nach der Siesta die Maklerin in ihrem Büro zu erwischen. Leider teilte sie uns mit, dass der Anwältin immer noch gewisse Papiere  für den Notartermin fehlten. So wurden wir weiter vertröstet. Wenigstens erlaubte man uns noch einmal Zugang zur Wohnung, um einiges ausmessen zu  können. Die Wohnung gefiel uns immer noch und wir bereuten unseren Schritt des Kaufes nicht. Wir nutzten die Zeit, uns in Möbelgeschäften umzusehen, bis am 28. September endlich die erlösende Nachricht kam: Notartermin am 5. Oktober 2022. Nun können all unsere Planungen in die Tat umgesetzt werden! Es geht in den nächsten Tagen, Wochen und Monate also ans Renovieren: Wände streichen, Klimaanlage installieren (lassen), Wohnungseinrichtung beschaffen. Alles sehr aufregend!

Hier ist die Wohnung

Außenansicht der Wohnung 

von Teruel nach La Marina

von Teruel nach La Marina

Blick vom Balkon

Blick vom Balkon der Wohnung in La Marina

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