Nordirland

 In Nordirland 2023

Dienstag, 13. Juni 2023
Zurück nach Nordirland

Am Morgen aber nichts wie weg von diesem doch etwas ungastlichen öffentlichen Parkplatz in Malahide, auf dem wir als einziges Riesenbaby von Fahrzeug vier Tage lang standen. Ich nenne uns ja selbst spöttisch „Weiße Ware“, weil wir mit unseren großen weißen Fahrzeugen einigen sicher ein Dorn im Auge sind. Das gilt (gefühlt außer für Frankreich) für Deutschland (besonders), England, Nordirland und Irland. In den letztgenannten drei Ländern will man gern die Caravanparks/Campingplätze gefüllt haben, die aber leider 35£ bis 50£ oder mehr pro Tag kosten. Das kann man sich bei einer 5-wöchigen Tour durchs Land gar nicht leisten. Erschwert wird der Aufenthalt auf solchen Plätzen noch dazu, dass von einigen Platzbetreibern eine 24-Stunden im Voraus-Buchung und auch noch oft ein Mindestaufenthalt von mehreren Tagen verlangt wird. Die Campingplätze dienen meiner Meinung nach mehr den Familien und Erholung Suchenden, die dort mit ihren Wohnwagen längere Aufenthalte buchen. Wir aber wollen Orte und Landschaften auf der Durchreise kennenlernen. Frei nach Hannes Warder: “Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort…” Na ja, nicht ganz so drastisch – ein paar Tage hier oder dort können es schon sein – wenn es uns gefällt. Dieser Lebensstil gibt uns und auch zehntausenden Gleichgesinnten viel Lebensqualität.

So tun wir uns doch oftmals recht schwer, geeignete Übernachtungsplätze zu finden und müssen wohl oder übel auch mal öffentliche Parkplätze (teilweise zu geringen Kosten, von gratis bis zu 12 Pfund für 24 Stunden) ansteuern. Fragen wir in den Touristinfos nach, werden wir in der Regel auf die Campingplätze hingewiesen. Andernfalls würden die Betreiber ihnen wohl aufs Dach steigen…! Wenn die Gemeinden doch bloß realisieren würden, dass Wohnmobilreisende einen wichtigen Beitrag für die lokale Wirtschaft leisten.

Annalong ist zum Beispiel so eine Gemeinde, die schon seit vielen Jahren Wohnmobilreisenden einen kostenlosen Stellplatz zur Verfügung stellt. Das an der irischen See liegende Küstendorf in der Grafschaft Down, Nordirland kannten wir noch von unserem Aufenthalt im Lande in 2018. In der irischen Sprache heißt es Áth na Long, was “Furt der Schiffe” bedeutet. Und so existiert immer noch ein ganz kleiner Hafen aus ganz alten Zeiten, als Granit und alles andere noch per Schiff transportiert wurde. Heute kann man den Ort an der See (raue felsige Küste, kein Strand) als Fischerdorf und Ferienresort beschreiben. Annalong liegt am Fuße der “Mourne Mountains”, dem aus Granit bestehenden Gebirgszug, nur etwa 50 km südlich von Belfast. Der bekannteste Gipfel ist der “Slieve Donard”, mit 849 Metern der höchste Berg Nordirlands.

Wir stoßen auf eine besondere Klassifizierung der Gegend, die wir so gut aus Cornwall kennen: “Area of Outstanding Natural Beauty”. Der erste Nationalpark Nordirlands soll hier entstehen. Die Berge erweisen sich als beliebtes Naherholungsgebiet für Wanderer, Touristen, Bergsteiger und Mountainbike Fahrer.

Nach einer abenteuerlichen Tour durch kleine Ortschaften und immer entlang der kurvigen, engen Küstenstraße durch das Agrarland (Schafe, Kühe, Getreidefelder) erreichten wir den uns bereits bekannten, kostenlosen Stellplatz in Annalong. Alles ist „um die Hand“: Ein kleines Café, romantische Ausblicke auf Mini-Hafen und Mühle, Harbour Pub, herrliche Spazierwege an der Küste (kein Strand) bis ins Dorf, Spar-Shop und eine öffentliche Toilette (muss auch mal erwähnt werden, da wichtig für mit dem Wohnmobil Reisende!).

Prespiterian Church

Prespiterian Church

Der kleine Hafen von Annalong im Abendlicht

Der Hafen von Annalong im Abendlicht

Malahide - Annalong

Malahide – Annalong

 

Restaurierte Wassermühle

Restaurierte Wassermühle

Der kleine Hafen

Der kleine Hafen

Pub und Restaurant "Harbour Inn"

Pub und Restaurant “Harbour Inn”

Trottellumme

Trottellumme

Wir liefen die uns vertrauten Wege ab und kauften im Laden ein, füllten den inzwischen leer gewordenen Kühlschrank auf. Annalong hat sich verändert in den fünf Jahren. Die „alte“ Bevölkerung von etwa 1800 Menschen muss sich wohl ganz schön die Augen reiben vom Zuzug der Leute, die sich hier in den neu gebauten Häusern eine Ferienwohnung leisten. Wahrscheinlich haben sie sogar profitiert (durch den teuren Verkauf ihrer kleinen renovierungsbedürftigen Häuser). Auch diese Situation ist uns noch aus Cornwall bekannt … Annalong ist schließlich nur eine gute Stunde von Belfast entfernt, und so manch gestresster Großstädter hat hier womöglich eine zweite Heimat (Wochenende, Ferienzeiten) gefunden. Danach sah es zumindest aus bei den vielen schicken Neubauten.  Am Abend gesellten sich zwei Wohnmobile hinzu, eines aus Frankreich, das andere aus Nordirland. Auf jeden Fall schliefen wir hier auf dem Lande in der Ruhe mal wieder richtig gut. Übrigens bietet der Platz Strom- und Frischwasserversorgung gegen Jetons an, die man (im Pub nachfragen) erwerben kann. Brauchten wir aber beides nicht.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Es ist nicht immer die Unrast (die uns nachgesagt wird), die uns weitertreibt, sondern leider auch die Entsorgung von Grauwasser und Kassettentoilette. Das war hier in Annalong nicht möglich, also weiter nach Donaghadee. Dass wir in diesem Ort mit so einem ungewöhnlichen Namen doch noch landen würden … Er war uns bereits als Zwischenstopp von unseren Wohnmobil-Nachbarn in Portrush empfohlen worden. Ein paarmal üben, dann spricht man es richtig aus …

Also nichts wie hin, denn da soll es eine Sanitärstation geben – auf wieder mal kurviger Küstenstraße etwa zwei Stunden weiter durchs Agrarland. Frederick fuhr wie eine Eins. Er ist mit dem Linksverkehr ja vollkommen vertraut. Allerdings ist es ein Unterschied, ob man beim Fahren auf linker oder rechter Seite sitzt. Im Rechtsverkehr sitzt der Fahrer bekanntermaßen auf der linken Seite und im Linksverkehr dann logischerweise auf der rechten Seite. Fährt man nun mit einem links gesteuerten Fahrzeug im Linksverkehr, ergeben sich immer dann Schwierigkeiten, wenn man links abbiegen muss. Denn dem Fahrer ist dann die Sicht nach rechts versperrt. Da ist es natürlich sehr nützlich, eine kompetente Beifahrerin zu haben (die hoffentlich gut gucken kann!)..

Uns erwischte dann auch noch eine Umleitung, mit der das Navi weniger fertig wurde als Frederick, die Spürnase. Endlich erreichten wir Donaghadee, fanden die Sanistation an der Küste und erledigten alles (Frischwasser-Marke für etwa 100 Liter kostete 2£) und es gab sie in einem winzigen Büro neben der Station). Die beiden freundlichen Herren von der Gemeindeverwaltung erklärten uns dann auch gleich den Weg zum großen öffentlichen (kostenlosen) Parkplatz am Boatyard, wo einige Boote in einem abgesperrten Arreal liegen. Unsere Frage nach möglicher Übernachtung dort bejahten sie. Die Zufahrt zu dem Parkplatz war wieder „eine enge Kiste“. Ein Schild besagt allerdings, dass Übernachten nicht erlaubt ist (huch!), dennoch tun es einige mit dem Wohnmobil Reisende. Von denen hören wir im Gespräch, dass die Gemeinde es stillschweigend erlaubt. Also bleiben auch wir vorerst.

Hafenbecken und Leuchtturm von Donaghadee

Hafenbecken und Leuchtturm von Donaghadee

Schießpulverlager

Schießpulverlager

Annalong - Donaghadee

Annalong – Donaghadee

Annalong – DonaghadeeWie immer machten wir als erstes unsere Erkundungstour nach Ankunft. Wieder so ein Ort an der See, den wir sofort ins Herz schlossen. Gutes Wetter, Meer (und Watt – da Ebbe – in dem wir sogar noch “Seaglass” fanden), Küstenwege, schöne Aussichten und ein Pub, dem wir auch gleich einen Besuch abstatten mussten. Ab und zu muss man sich das auch mal gönnen.

Anne auf der Suche nach "Beach Glass"

Anne auf der Suche nach “Beach Glass”

Segelboote als Hafendekoration

Segelboote als Hafendekoration

Unterwegs kaum wahrgenommen, hörten wir hier doch einige deutsche Worte. Neugierig, wie ich war, fragte ich bei den Leuten nach dem Woher und Wohin. Es stellte sich heraus, dass sie die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes waren, die per Bus vom Hafen in Belfast hierher gekarrt worden waren. Zurückhaltend wie sie waren („Was wollen Sie von uns“-Blick), entwickelte sich kein Gespräch, denn sie waren nicht besonders auskunftsfreudig. Darauf mussten wir einen trinken und gingen in den Pub, setzten uns an die Bar und bestellten ein Guinness und ein halbes Lager Shandy (Alsterwasser).

Fischrestaurant in Donaghadee

Fischrestaurant in Donaghadee

Wandmalerei in Ehrerbietung an die Lebensretter der RNLI

Wandmalerei in Ehrerbietung an die Lebensretter der RNLI

“Irish Coffee” Desaster 

Auf dem Bartresen neben uns standen etliche Gläser mit einer kleinen Menge gelber Flüssigkeit gefüllt. Auf Nachfrage erklärte uns der Bar Tender (die Bedienung), dass sie sich schon mal auf den Ansturm der zu erwartenden Gäste (vom Kreuzfahrtschiff) vorbereitet hätten für ein echtes “Irish Coffee” Erlebnis. Der Whiskey stand also in den Gläsern bereit. Es dauerte nicht lange und ein Bus fuhr vor. Flink wurde der heiße Kaffee in die vorbereiteten Gläser gefüllt, flüssige Sahne als Finish über einen Löffel in den Kaffee gekippt und dann – Stopp! Halt! Falscher Bus! Dieser holte die deutschen Besucher aus dem Ort ab! WANN würden die erwarteten Besucher kommen? Bis dahin also alles kalter Kaffee …

Wir waren gemein, weil wir uns über das kleine Chaos hinter der Bar ein wenig amüsierten, aber die lachten ja selbst! Etwa die Hälfte der Gläser war bereits mit heißem Kaffee und Sahne gefüllt worden, bevor der Irrtum mit den Gästen bemerkt wurde. Diese wurden jetzt in den Ausguss geschüttet.  Welch eine Verschwendung! Der Whiskey (ohne Kaffee!) in den anderen Gläsern wurde doch tatsächlich zurück in die Flasche gekippt. Die Mannschaft hinter der Bar spendierte uns einen übrig gebliebenen Irish Coffee, lecker! Schmeckt ähnlich wie ein Pharisäer bei uns.

Kurze Zeit später rollte ein weiterer Bus an, aus dem neue Kreuzfahrtschiffpassagiere herauspurzelten und sofort in den Pub strömten. Alles amerikanische Touristen (geschätzte Jahrgänge 1940-45) vom Luxusliner “Celebrity Apex”, wie sie uns berichteten. Für diese war der Irish Coffee bestimmt. Und los ging es wieder mit der Herstellung der Irish Coffees. Ende gut – alles gut! Die amerikanischen Passagiere bekamen übrigens von dem ganzen Durcheinander gar nichts mit.

Die Bar des Pubs "Harbour Company"

Die Bar des Pubs “Harbour Company”

Barman Ben entsorgt "Irish Coffee"

Barman Ben entsorgt “Irish Coffee”

Vom Stellplatz aus gibt es zwei Möglichkeiten: Auf der einen Seite liegt die bunte Stadt, auf der anderen Seite spaziert man in der Natur, auf Rasengelände an der Küste entlang. Der Weg führt, bis zum Ende gegangen, zur Sanitärstation, die wir ja bei Ankunft in Donaghadee genutzt hatten. Auf einem Hügel mitten in der Stadt sahen wir ein kleines, burgähnliches Gebäude. Dort kletterten wir hinauf. Es stellte sich als ursprüngliches Schießpulverlager heraus, das in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaut worden war. Von oben hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Hafen. Das Gebäude wird “The Moat” genannt. Auf deutsch “Die Motte”.

Schießpulverlager, genannt "Die Motte"

Schießpulverlager, genannt “Die Motte”

Blick von der "Motte" auf den Hafen

Blick von der “Motte” auf den Hafen

Zurück am Wohnmobil dann eine bittere Pille: Eine Dame machte uns auf den an der Windschutzscheibe befestigten Zettel aufmerksam. Es war ein Hinweis des Councils/der Gemeinde auf die Nutzung des Parkplatzes. Zwar sei das Parken erlaubt und kostenlos, Übernachtungen seien jedoch nicht gestattet. Die lokal wohnende Dame (lebt nur 6 Meilen entfernt) stand hier selbst mit ihrem Wohnmobil und meinte, dass dieser Zettel eher nach einer Kopie aussah und wahrscheinlich von irgendeinem der Caravan-/Campingplatz-Besitzer ausgebracht worden sei. Auf dem Zettel war nämlich der Hinweis auf diese Plätze. Sie würde das einfach ignorieren und riet uns, das gleiche zu tun. So machte wir es mit einem leicht unguten Gefühl.

Donnerstag, 15. Juni 2023

Frederick hatte sich zum Ziel gesetzt, mit unseren Berichten und der Bild- und Textbearbeitung ein wenig voranzukommen. Heute war trotz des fantastischen Wetters sein Tag! So wurde es früher Nachmittag, bevor wir endlich zu einem Spaziergang aufbrechen wollten. Just in diesem Moment hielt ein Fahrzeug der Gemeindeverwaltung neben uns. Ein Mitarbeiter kam auf uns zu und fragte, ob wir den Hinweis nicht gesehen hätten, den er am Vortag hinter die Wischer an der Frontscheibe geklemmt hätte. Peinlich, wir gerieten in Erklärungsnot.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Gemeindevertreter selbst nicht vom Sinn bzw. Unsinn des Merkzettels überzeugt war. Er bedauerte es sehr und es tat ihm leid, diese verteilen zu müssen, denn eigentlich war der Parkplatz groß genug für mehrere Wohnmobile. Aber da sich jemand beschwert hatte, blieb der Verwaltung nichts anderes übrig, das Übernachtungsverbot durchzusetzen. Der Grund und Boden ist schließlich Gemeindeeigentum. Dem netten Amtsmitarbeiter selbst war klar, dass die Geschäfte im Ort von den Reisenden mit Wohnmobil auch profitieren würden. Denn die Touristen gehen essen, kaufen ein und lassen doch einiges an Geld da. So wenig willkommen zu sein, reichte uns und wir bestätigten ihm, dass wir sofort abreisen würden. Die lokal wohnende Dame konnte das alles nicht erschüttern, sie bestand darauf, dass die Gemeinde kein Recht hätte sie zu verjagen und blieb mit ihrem Mann samt Wohnmobil auf dem Parkplatz. Ob das für die beiden Konsequenzen hatte, wissen wir nicht.

Nahaufnahme der bemalten Steine

Nahaufnahme der bemalten Steine

Dekoration aus bemalten Steinen

Dekoration aus bemalten Steinen

Der Leuchtturm von Donaghadee

Der Leuchtturm von Donaghadee

Der Hafenkai in Donaghadee

Der Hafenkai in Donaghadee

Uns wurde der Ort Portaferry am Ende der Halbinsel Ards empfohlen. Vorher fuhren wir noch einmal die Ver- und Entsorgungsstation in Donaghadee an. Wer so reist wie wir, weiß, wie gut oder schlecht diese geführt sind. Diese Station war eine saubere, trotzdem wären wir nicht auf Idee gekommen, 20 cm davon entfernt unsere Stühle aufzubauen und direkt daneben Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen! So gerade gesehen … immer wieder stellen wir fest, dass die Engländer/Nordiren oder Iren irgendwie schmerzbefreit sind … weiteres Beispiel: Bei kaltem Wetter mit kurzer Hose und T-Shirt und in Sandalen…?!?

Millisle

In nur 10 Minuten fuhren wir in südlicher Richtung zum Küstenort Millisle (Übersetzt Mühleninsel). Auf dem großen Parkplatz am dortigen Südstrand standen einige Wohnmobile. Das galt es auszukundschaften. Ein dort parkender Wohnmobilist bestätigte uns, dass man hier nicht nur parken, sondern auch übernachten könne. Der Parkplatz ist geradezu gigantisch, liegt direkt an der Lagune, dem langen Strand und am Meer, mehr Meer geht nicht!

Toller Platz am Meer in Millisle

Toller Platz am Meer in Millisle

Donaghadee - Millisle

Donaghadee – Millisle

Millisle ist ein Dorf mit etwa 2.300 Einwohnern und liegt auf der Ards Peninsula (=Halbinsel) im County Down. Es sind tatsächlich nur bummelige fünf Kilometer bis Donaghadee, wo man uns nicht haben wollte. Hier waren wir willkommen. Bei dem guten Wetter liefen noch viele Leute mit ihren Hunden am Strand, spielten mit den Kindern oder wagten sich ins Wasser. Bei Ebbe ist der Strand wohl an die 300 m breit. Da muss man schon ein Stück gehen, um ans Wasser zu gelangen. Leider bleibt durch die zurück weichende Flut eine Menge an Algen zurück, es hängt also ständig dieser Geruch in der Luft, der ein bisschen an verfaulte Eier erinnert. Das ist ein Wermutstropfen für uns!

Strand in MIllisle bei Niedrigwasser

Strand in MIllisle bei Niedrigwasser

Künstlich angelegte Lagune für Schwimmer und SUP-Paddler

Künstlich angelegte Lagune für Schwimmer und SUP-Paddler

Da es sich um einen Naturstrand handelt, wird nichts abgeräumt wie etwa in Haffkrug oder Scharbeutz. Geht man dort in der Wintersaison am Strand spazieren, hat man das gleiche Problem, solange man sowas als Problem ansieht. Wir sind zunächst erstmal froh, einen guten, ruhigen und kostenlosen Übernachtungsplatz ergattert zu haben. Portaferry muss noch warten.

Freitag, 16. Juni 2023

Wir freundeten uns mit Millisle an, denn es hat einige Überraschungen zu bieten. Fußläufig (leider teilweise an der Straße entlang) erreichten wir in einer halben Stunde die vielgelobte Ballycopeland Windmill. Es ist die besterhaltene Windmühle in Nordirland, noch voll funktionsfähig (nur zu Demonstrationszwecken). Die Mühle kann sich mit einem Flügelsystem rühmen, das als einziges Exemplar in der Welt verblieben ist.  Man kann die Segel auch während des Betriebes verändern. Gebaut wurde die Windmühle in den Jahren 1790 bis 1813. Zu der Zeit wurde die Ards Halbinsel Klein Holland (“Little Holland“) genannt. Drei Generationen lang blieb die Mühle im Besitz der McGilton Familie. 1937 übergab Samuel McGilton, der letzte Müller, die Mühle dem Staat.

Wohnstube und Büro des Müllers

Wohnstube und Büro des Müllers

Die Copeland Windmühle in Millisle

Die Ballycopeland Windmühle in Millisle

Diese alte vollkommen restaurierte Mühle ist ein schöner Anblick. Wir besuchten auch die kleinen Cottages des Müllers und seines Mitarbeiters, dem Heizer. Er musste dafür sorgen, dass das Korn im Kilnhouse (Trockenboden) vernünftig getrocknet wurde.

Wir belohnten uns für diesen wirklich interessanten Ausflug mit Hot Chocolate and Marshmallows und einem Cappuccino sowie zwei German Biscuits, den Hanseaten, die uns hier wieder über den Weg liefen, lecker! Dazu muss ich noch mal sagen, dass wir wohl nichts ausgelassen haben, was es an englischem Essen so gibt: Fish and Chips, Baked Beans, Crisps, Scones, Trifle, Dry Roasted Peanuts…, aber alles in Maßen! Wir sehen hier an allen Ecken, was es mit einem macht, wenn man dem ganzen zu oft nachgibt!

Auf dem Rückweg bemerkten wir bei einem privaten Wohnhaus entlang der Straße eine Kuriosität: Auf dem Garagendach stellte der Eigentümer alte Fahrzeuge zur Schau. Ideen gibt’s…??? Zurück im Ort kauften wir im supermodernen Spar Shop ein. Uns fällt auf, wieviel Fertiggerichte „Ready to Eat Meals“ es doch in den Läden gibt. Diese sind doch recht teuer und man fragt sich, wie der Lebensstil bezahlt werden kann. Fertigmahlzeiten und danach auf einen Drink in den Pub… ! Die Pubs sind in der Regel gut besucht. Aber auch dort sind die Preise gepfeffert.

Kuriose Ausstellung auf einer privaten Garage

Kuriose Ausstellung auf einer privaten Garage

Der moderne Sparladen in Millisle

Der moderne Sparladen in Millisle

Ich drehte noch eine Runde in dem Charity Shop (Second Hand Laden, Wohltätigkeitsladen, von denen es in England ja so viele gibt) und kam mit einer Vase für 2£ wieder heraus. Ich liebe diese Läden einfach. Sie sind immer spannend und man kann auf Schatzsuche gehen. Für Frederick ist das nichts!

Im Wohnmobil angekommen, gab’s bei uns auch eine Fertigmahlzeit: Ich kochte und machte sie fertig, Spaghetti Bolognese und Salat.

Samstag, 17. Juni 2023

Heute muss mal gemeckert werden! Nicht über das Wetter, es hatte in der Nacht häufig geregnet und die Landwirte werden sich darüber freuen. Zum Glück hatte Frederick die Dachfenster vorm Schlafengehen geschlossen. Der Morgen war diesig, es sollte erst viel später – wenn überhaupt – aufklaren.

Dem Ort macht das gleiche Problem, das wir aus Deutschland (Malente) und Spanien kennen, zu schaffen: Die Wegwerfmentalität der Leute. Überall liegen Cans (Getränkedosen), Plastikflaschen und leere Zigarettenschachteln herum. Hier in Großbritannien fallen uns noch die vielen leergefressenen Chipstüten auf. Es sind genug Müllcontainer aufgestellt, aber nein, der Weg dorthin scheint zu weit zu sein. So sammeln wir auch hier wieder mit auf, wie in Malente und La Marina/ Spanien.

Wir spazierten an der Küste entlang, wunderten uns über die zig Holzpaletten, die am Hafenkai aufgetürmt wurden. Die Nachfrage ergab, dass sie der Vorbereitung für ein großes Feuer zu Ehren des Sieges „Battle of the Boyne“ in 1690 dienten. Am 12. Juli wird in Nordirland der Sieg der Protestanten über die irischen Nationalisten mit Paraden und Leuchtfeuern gefeiert. Der Tag ist auch als Orangemen’s Day bekannt (Orange steht in Nordirland für den Protestantismus). Der Grund für das Orange? Zu der Zeit war der Oranjer Willem III König von England.

Vor fünf Jahren haben wir noch aufgetürmte alte Autoreifen gesehen … Das ist zum Glück mittlerweile verboten worden!

Aufwendig hergestelltes Schiff auf dem Kinderspielplatz am Strand

Aufwendig hergestelltes Schiff auf dem Kinderspielplatz am Strand

Stapel aus Paletten für das große Orange-Fest am 12. Juli

Stapel aus Paletten für das große Orange-Fest am 12. Juli

Noch in 2010 hat Millisle Lagoon (die große Lagune am Parkplatz) und der Beach Park vom Nordirischen Touristen-Komitee einen Preis verliehen bekommen für seine Naturschönheit und die Sauberkeit. Wir fragen uns, was ist seitdem passiert? Merken die Leute nicht, wie störend es ist, die Natur derart zu vermüllen? Die jungen Männer von der Gemeinde, mit denen wir darüber sprachen, schienen auch verzweifelt zu sein. Es muss etwas im Bewusstsein der Leute passieren, damit die Vermüllung in der Landschaft aufhört. Die Medien sollten mal einige Kampagnen führen und einen Anstoß geben. Wir erinnern uns, dass es vor vielen Jahren Wettbewerbe „Unser Dorf soll schöner werden“ gab. Leider sind solche Aktionen wohl alle wieder eingeschlafen!

Das „schlechte“ Wetter half uns, mit Berichten und Fotos weiterzukommen. Erst gegen 16 Uhr klarte der Himmel auf. Nun aber raus an die frische Luft. Ein Spaziergang durchs Dorf, zwei half Pints of Beer (kleine Biere für zusammen 4£) im First and Last Pub. Zu dem gibt es eine Geschichte, deshalb mussten wir da hinein. Angeblich ist William III. von England auf seinem Weg zur Schlacht (Battle of the Boyne) hier eingekehrt – dabei wurde der Pub nachweislich 1790, erst 100 Jahre später nach der Schlacht gegründet. Aber es ist halt eine nette Erzählung und es schafft Kunden heran, wie uns!

Zum Abendessen machten wir uns Bratkartoffeln mit Pilzen und einem Salat und köpften die letzte Flasche Rotwein aus Spanien. England ist ja eher ein Bier Land, da bleiben wir wohl in unseren letzten 10 Tagen hier beim alkoholfreien Guinness, für das viel geworben wird (selbst in den Pubs) und das wirklich gut schmeckt. Es kommt dem Original sehr nahe.

Sonntag, 18. Juni 2023

Wir sind umgezogen! Gestern ging uns der starke Algengeruch dann doch auf die Nerven und wir haben uns nun auf den Parkplatz in der Bucht, die bei Ebbe nicht trocken fällt, gestellt. Die reinste Erholung! Hier stehen zwei, drei weitere Mobile über Nacht. Von hier aus schauen wir nun direkt aufs Meer ohne Geruchsbelästigung.

Von Nebel und Regen nichts mehr zu sehen. Vor uns lag wieder ein sonniger Tag, und das bedeutete viele Besucher der Strände, der Spazierwege und des Spielplatzes. Nur wenige Meter vor unserem Wohnmobil starteten ein paar Leute mit Jetskiern, Luftverpester und Krachmacher! Die genossen den Geschwindigkeitsrausch mehrere Stunden lang! Niemand außer uns schien das zu stören, ich sage ja: schmerzbefreit…?

Es ist unser letzter Tag in Millisle. Über den Ort gibt es noch etwas sehr Besonderes zu berichten. Einige der jüdischen Kinder aus dem Kindertransport Programm, die 1939 England erreichten, wurden aufs Land nach Nordirland geschickt. Sie wurden bei Pflegeeltern untergebracht und waren so wenigstens sicher vor den Deportationen in Nazi-Deutschland. Viele wurden auf der Millisle Flüchtlingsfarm (Magill’s Farm) untergebracht. Von 1938 (nach der Reichskristallnacht trafen mehr und mehr Kinder und Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Tschechei ein. Bis zur Schließung der Farm 1948 fanden Flüchtlinge hier eine Heimat. Für die Eltern war es schwer, ihre Kinder diesem Programm anzuvertrauen. Letztlich entschieden sie sich dafür, damit wenigstens ihre Kinder überlebten.

Die Farm wurde von der jüdischen Bevölkerung in Belfast aufgebaut und unterstützt.  Die Kinder erhielten ein Training in der Landwirtschaft, das sie später befähigte, ein Kibbuz in Palästina zu gründen. Von 1938 bis 1948 wurden zwischen 300 bis 400 Kinder und Jugendliche in Millisle ausgebildet. Sie waren später an der Entwicklung des Staates Israel beteiligt. Nicht nur die jüdische Gemeinschaft in Belfast half, sondern auch die christlichen Kirchen (Presbyterianer, Methodisten, die irischen, katholischen Kirchengemeinden und die Quäker). Erst nach dem Krieg kam die ganze Wahrheit ans Licht. Viele der Kinder und Jugendlichen hatten alle ihre Verwandten verloren. Und vielen wurde sicher auch dann erst bewusst, weshalb ihre Eltern sie vorgeschickt hatten.

Mosaik-Deko and der Promenade

Mosaik-Deko and der Promenade

Mosaik-Deko an der Strandpromenade

Mosaik-Deko an der Strandpromenade

Ich habe das Buch „Kindertransport“ vor vielen Jahren gelesen, auch über Englands Entscheidung, Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Dass uns diese Geschichte hier so hautnah begegnete, berührte und beschäftigte uns schon sehr. (Buchempfehlung: Faraway Home, Marilyn Taylor).

Montag, 19. Juni 2023
Whitehead

Einheimische hatten uns den Badeort Bangor empfohlen. Dorthin wollten wir heute. Vorher fuhren wir nochmals die Entsorgungsstation in Donghadee an, entsorgten Grauwasser und Toilettenkassette und füllten den Frischwassertank.

Vor zwei Tagen war meine Brille zu Bruch gegangen – Frederick hatte sich daraufgelegt. Daher hielten wir unterwegs bei einem Optiker an. Leider stellte sich der Schaden als unreparierbar heraus. Das Thema muss jetzt warten, bis wir wieder in Malente sind. Jetzt galt es erst einmal den in “Park4Night” angegebenen Stellplatz in Bangor zu finden. Dort, wo er sein sollte, war er nicht. Letztendlich stellte sich heraus, dass es den Platz nicht mehr gab. Wo man sonst hätte parken sollen, waren jetzt Höhenbegrenzungen(2,20 m) eingerichtet, um Wohnmobile am Übernachten zu hindern.

Wohin also? Ein weiterer, uns empfohlener Ort war das Küstenstädtchen Whitehead nördlich von Belfast. Auf dem Weg dorthin wollten wir aber noch das “Belfast Castle” in den Hügeln oberhalb der Stadt besuchen. Die Besichtigung des Schlosses war uns von Vicky Armstrong, der Inhaberin der “Belle of Belfast”-Bar in La  Marina empfohlen worden. Die Zufahrt war wieder mal nix für Wohnmobile. Konsequenterweise waren auch keine Wohnmobile dort oben zu sehen. Frederick hatte im Vorfeld beim Schloss angerufen und gefragt, ob man dort mit einem Wohnmobil parken kann. Dies wurde bejaht. Trotzdem gestaltete sich das Parken auf den nur für PKW’s geeigneten Parkflächen als Herausforderung. Frederick parkte aber sensibel und normalen Fahrzeugen (PKW’s) nicht im Wege stehend auf einer der verschiedenen terrassenförmig angelegten engen Parkbuchten ein (puh!)

Nicht wuchtig und schwer kam das Castle daher, sondern zierlich und filigran mit vielen Türmchen versehen und einer wunderschönen, zum Garten hin geschwungenen Treppe. Im unteren Stockwerk gibt es ein nettes Café. Vier obere Räume dürfen auch an einem Montag (normalerweise sind Museen montags geschlossen) besichtigt werden. Das Schloss ist eines der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Nordirlands. Es liegt im Cave Hill Country Park und bietet den Bewohnern (und Besuchern!) einen spektakulären Blick über Belfast Lough (die Bucht von Belfast) und die Stadt.

Schloss, Schlossgarten und Belfast Bucht

Schloss, Schlossgarten und Belfast Bucht

Belfast Castle (Schloss)

Belfast Castle (Schloss)

Schon im 12. Jahrhundert hatten die Normannen eine Burg im Stadtzentrum errichtet. Ein zweites “Castle” aus Steinen und Holz wurde 1611 von Sir Arthur Chichester, Baron von Belfast, direkt an die Stelle des alten gesetzt. Bedauerlicherweise brannte dieses 100 Jahre später nieder. Nur noch die Straßennamen erinnern, dass im Zentrum einst eine Burg stand (Castle Place). Ein neuer Anlauf wurde 1862 genommen. Der dritte Marquis von Donegall, von der Chichester Familie abstammend, entschied sich für den Bau eines neuen Schlosses inmitten seines Jagdgeländes. 1870 war es fertiggestellt. Kostenpunkt mehr als 11.000 £, Taschengeld heute!

Wir erlebten einen wunderschön angelegten Garten, Räume ausgestattet für Empfänge, Hochzeiten und andere Festivitäten. Es war erstaunlich, dass man freien Zugang hatte zu diesen Räumen mit edlen Gemälden an den Wänden. Fredericks Auswahl an Fotos vermitteln einen Eindruck. Wir waren total begeistert und verließen das Castle ganz beseelt von dem Erlebnis.

Schlossgarten

Schlossgarten

Blick vom Schloss auf die Belfast Bucht

Blick vom Schloss auf die Belfast Bucht

Schlossgarten

Blick vom Ballsaal auf die Belfast Bucht

Blick vom Ballsaal auf die Belfast Bucht

Treppenhaus im Schloss

Treppenhaus im Schloss

Die geschwungene Treppe, die zum Garten führt

Die geschwungene Treppe, die zum Garten führt

Da wir auf dem Weg nach Whitehead noch einmal durch Carrickfergus kamen, hielten wir auf dem uns bekannten Parkplatz am Carrickfergus Castle und stockten unseren Kühlschrank mit weiteren Lebensmitteln aus dem tollen Sainsbury Supermarkt auf. Danach spazierten wir am Hafen und der Promenade zu den teuer aussehenden Wohnungen neben der dortigen Marina. Fein, fein, hier zu wohnen und außerdem einen Platz für sein Boot zu haben.

Gartenzinnie

Gartenzinnie

Marina-Dekoration

Marina-Dekoration

Teure Immobilien entlang der Marina in Carrickfergus

Teure Immobilien entlang der Marina in Carrickfergus

Der angesteuerte Stellplatz am Golfplatz in Whitehead (über Park4Night) gefiel uns überhaupt nicht. Außerdem war das Büro, wo wir uns für die Übernachtung hätten anmelden müssen, nicht besetzt. Also auf zum nächsten, von “Park4Night” vorgeschlagenen Stellplatz, keine fünf Minuten entfernt und direkt an der Küste! Auch das ist „nur“ ein einfacher, geteerter großer Parkplatz. Aber mit welchem Ausblick auf Meer und Ortschaft, einmalig! Der Platz ist kostenlos, und ein paar Wohnmobile standen schon da, ausgerichtet mit Blick aufs Meer. Wir gesellten uns hinzu.

Dir Bucht vor Whitehead

Dir Bucht vor Whitehead

Millisle - Bangor - Belfast Castle - Whitehead

Millisle – Bangor – Belfast Castle – Whitehead

Blick vom Stellplatz auf Whitehead

Blick vom Stellplatz auf Whitehead

Unsere Lieblingsstellplätze: Am Meer

Unsere Lieblingsstellplätze: Am Meer

Wie immer zog es uns für ein erstes Kennenlernen in den Ort. Wir waren sofort begeistert, hatten wir doch schon Bilder von den bunten Häusern entlang der Küstenstraße in Prospekten gesehen. In Natura waren sie noch schöner. Schließlich landeten wir noch in einem Pub für ein schnelles Bier im dortigen Biergarten. Danach zurück zum Stellplatz, um unser Abendessen vorzubereiten.

Doch oh Schreck, der Herd funktioniert nicht – bedeutet: kein Gas! So ein Mist, an alles hatten wir gedacht, in Donaghadee noch Frischwasser aufgefüllt, die Entsorgung erledigt und nur das mit dem Gastanken dann vergessen. Also noch mal los, leider fast wieder nach Belfast rein (ca. 20 Minuten Fahrt) nach White Abbey. Hier gab es eine LPG-Tankstelle. Nun hatten wir zwar wieder Gas, aber es war doch recht spät geworden und so gab es nur noch Brot und Käse und ein Guinness zum Abendbrot.

Whitehead ist für Wohnmobil Reisende eine perfekte Station. Herrscht tagsüber auch ein Kommen und Gehen von  Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Gassi-Gehern, wird es zum Abend hin immer ruhiger. Nur die Wellen des Meeres wiegen einen in den Schlaf.

Dienstag, 19. Juni 2023 bis Freitag, 23. Juni 2023

Wir beschlossen, hier in Whitehead bis zu unserem Abreisetag am 23. Juni zu bleiben. Die Lage des Stellplatzes am Wasser war einfach zu perfekt. Nun lagen noch ein paar schöne Tage vor uns. Mit den Reisenden des Wohnmobils neben uns (ein österreichisches Paar) kamen wir am Vormittag ins Gespräch. Sie fuhren schon seit 30 Jahren mit einem Reisemobil durch die Lande und waren von Irland genauso begeistert wie wir. Sie hatten hier die Zeit bis zur Fährabfahrt in Belfast überbrückt, wollten gegen Mittag dann los.

Über die Ver- und Entsorgung unseres Fahrzeuges brauchten wir uns, falls es nötig wurde, keine Sorgen zu machen, da die Sani-Station dafür auf dem Parkplatz am Golfplatz nur fünf Minuten entfernt war. Wir genossen die Zeit, um Fotos und Berichte auf den letzten Stand zu bringen und spazierten auf dem fantastischen Küstenwanderweg entlang. Mit dem Wetter hatten wir ebenfalls Glück, nur einmal in der Nacht hatten wir eine kostenlose Wagenwäsche von oben!

Segeljacht vor dem Stellplatz

Segeljacht vor dem Stellplatz

Leuchtturm hoch oben auf dem Kliff

Leuchtturm hoch oben auf dem Kliff

Am Mittwoch hatten wir die große Wäsche eingeplant. Daher ging es nach dem Frühstück zur nahegelegenen Tankstelle mit angeschlossenem Supermarkt und der von uns so geschätzten “Revolution Waschstation”. Wie üblich gab es zwei Waschmaschinen mit unterschiedlichem Fassungsvermögen und einen Trockner. Zum Glück konnte man dort auch gut parken, die Wasch-/Trockner-Zeit abwarten und währenddessen an Fotos weiterarbeiten. Nach etwa zwei Stunden und um 20£ leichter hatten wir wieder frische Wäsche an Bord.

Schäferhund, der begeistert nach seinem Ball ins Wasser sprang

Schäferhund, der begeistert nach seinem Ball ins Wasser sprang

Die "Revolution"-Waschanlage

Die “Revolution”-Waschanlage

Zurück am Stellplatz lockte eine Wanderung zum nahegelegenen Leuchtturm, dessen strahlendes Weiß am Ende des Küstenpfades hoch oben auf dem Hügel leuchtete. Schnell noch einen Kaffee und einen der Scones geteilt, und gegen 15 Uhr marschierten wir los. Frederick war sehr skeptisch, weil für ca. 17 Uhr Regen vorausgesagt worden war. Aber was konnte uns passieren, wir hatten ja die Regenjacken dabei. Einheimische hatten uns gesagt, dass es bis zum Leuchtturm nur etwa 25 Minuten dauern würde. Unterwegs lasen wir noch die diversen Info-Schilder über die Entstehung des Ortes, des Wanderweges und über die berühmten Gobbins. Dazu später.

Irgendwann kamen wir an die Treppe, an der es hinaufgeht Richtung Leuchtturm. Oje, das war steil und der Stufen viele! Leider vergessen zu zählen, da auf den Weg konzentriert und doch ganz schön außer Atem. Oben angekommen, war vom Leuchtturm nichts zu sehen. Wir liefen eine ganze Weile an einer Straße entlang. Auch in diesem oberen Teil von Whitehead, wir waren wohl schon eher im Ortsteil Islandmaggie, gab es verstreut einige interessante und teuer aussehende Häuser. Eine exklusive Wohngegend, der arme Postbote…

Die drohenden Regenwolken während unserer Wanderung

Die drohenden Regenwolken während unserer Wanderung

Der Regen kommt näher

Der Regen kommt näher

Am Ende mussten wir tatsächlich nach dem Weg fragen, Straße weiter rauf der Nase nach und endlich hatten wir den Leuchtturm erreicht. Das Weiß strahlt nicht mehr ganz so weiß wie aus der Ferne, alles wirkte ein wenig verlassen. Auch gibt es weder ein Café noch einen Souvenirshop, was bei englischen Leuchttürmen (Light Houses) eigentlich eher selten ist! Na gut, wir hatten unser Ziel erreicht und überlegten, welche Route wir für den Rückweg einschlagen sollten, fanden auch einen alternativen Abstieg hinab zur Küstenpromenade. Frederick hatte  leider recht mit seiner Regenvorhersage – es begann zu nieseln und wir beeilten uns, so schnell wie möglich zum Wohnmobil zurückzukommen.

Der Leuchtturm aus der Nähe

Der Leuchtturm aus der Nähe

Die drohenden Wolken kommen immer näher

Die drohenden Wolken kommen immer näher

Zum Glück gibt es Unterstände entlang des Weges. Ein Wanderer, dem wir vorher begegnet waren, saß gemütlich in dem ersten bei Tea and Sandwiches, wollte wohl den Schauer aussitzen. Ich rief ihm noch fröhlich zu: Es ist ja nur Wasser … und wir liefen weiter. Aus dem leichten Niesel wurde ein heftiger,  frontaler Regenguss, und bis wir den zweiten Unterstand erreicht hatten, waren unsere Jeans durchweicht, die Jacken pitschnass, selbst schuld. Ab da – leider zu spät – saßen wir den Regenschauer dann auch aus. Im Wohnmobil ist es bei Regen deutlich gemütlicher…!

Fuchsienstrauch am Wanderweg

Fuchsienstrauch am Wanderweg

Patschnasse Anne

Patschnasse Anne

Der Leuchtturm

Der Leuchtturm

The Gobbins

Nun zu dem Klippenpfad “The Gobbins”, totales Neuland für uns! Dabei gehört der Weg für pulstreibende Erlebnisse (für mich wahrscheinlich eher Grusel-Erlebnis) und mit seinen atemberaubenden Ausblicken zu den Highlights in Nordirland. Der Ingenieur B.D. Wise legte den Cliff Path 1902 an und sorgte damit für Ströme von Touristen! Allerdings musste der Pfad, der sich entlang der Basaltklippen über der Irischen See schlängelt, 1954 geschlossen werden. Das ist lange her … vor einigen Jahren entschloss man sich, umfangreiche Sanierungsarbeiten durchzuführen und so kann man sich über diverse, neugebaute, faszinierende Stahlbrücken (nur mit gebuchter Führung!) dieses besondere Erlebnis, den Naturgewalten nahe zu sein, also über der brodelnden See … gönnen. Vielleicht machen wir das beim nächstes Mal. Auf der ca. dreistündigen Wanderung entdeckt man Felsenhöhlen und sieht mit Glück diverse Seevögel (zum Beispiel Papageientaucher). Ein spezielles Abenteuer, – leider weiß ich nicht, wie „höhenfest“ man sein muss. Mehr Infos und auch Fotos des Klippenpfades im Internet.

Das Whitehead Eisenbahnmuseum

Nun stand noch der Besuch des Whitehead Railway Museums auf unserer Liste. Ein paar alte Waggons gucken und überholte Technik bewundern, ist ja eher was für Männer. Denkste! Nicht nur gab es in dem wunderschön restaurierten Victorian/Edwardian Bahnhofsgebäude ein ebenso zauberhaftes Café im gleichen Stil, sondern auch den Zugang zum Stellwerk, wo man selbst Hand anlegen und Signale setzen konnte. Die ganze Anlage entpuppte sich als riesiges Arreal, wo viele freiwillige und erfahrene Schrauber am Werkeln waren und uns Touristen gern alles erklärten. Wir waren gut beraten, vorher im Café eine Kleinigkeit zu essen, denn unser Rundgang dauerte beinahe drei Stunden!

Gleisanlagen, Werkhallen und alter, restaurierter Bahnhof

Gleisanlagen, Werkhallen und alter, restaurierter Bahnhof

Werkhalle im Eisenbahnmuseum

Werkhalle im Eisenbahnmuseum

Alte Dampflok - "The Portrush Flyer"

Alte Dampflok – “The Portrush Flyer”

Ungewöhnlich aussehende Dampflokomotive

Ungewöhnlich aussehende Dampflokomotive

Allein hätte die 1964 gegründete “Railway Preservation Society of Ireland” den Aufbau dieses interessanten Museums sicher nicht wuppen können. Sie wurde durch die staatliche Lotterie-Gesellschaft und durch verschiedene großzügige Spenden unterstützt. Die günstigen Eintrittsgelder (für uns 6£ pro Person) können nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Und so inspizierte Frederick die alten Bahnen mit viel Interesse, ich selbst auch die Waggons, denn als Kinder sind meine Schwester und ich häufig mit dem Zug gefahren, Itzehoe-Glückstadt-Itzehoe, und so tauchten viele Erinnerungen auf. Die gute alte Dampflok, über 100 Jahre alt, die Waggons 1., 2. und sogar dritter Klasse (echt die Holzklasse!). Der Speisewagen, vornehm eingedeckt mit weißen Tischdecken …

Ein (funktionierende) Stellwerk

Ein (funktionierende) Stellwerk

Gleisüberwachungsanlagen

Gleisüberwachungsanlagen

Salonwagen des "Royal Trains"

Salonwagen des “Royal Trains”

Königlicher Speisewagen

Königlicher Speisewagen

Dampflok Führerstand

Dampflok Führerstand

Und schließlich noch der Höhepunkt: Der Königliche Waggon, in dem Königin Elisabeth ll. in Begleitung ihres Mannes Prinz Philipp und dem Hofstaat 1953 unterwegs war, bequeme Sitzmöbel und mit schweren Teppichen ausgelegt, damit es ihr an nichts fehlte. So zu reisen war sicher ein Genuss! Einige alte Fotos waren ausgestellt, die die Menschenmassen auf den Bahnhöfen zeigten, die einen Blick auf die Queen erhaschen wollten … witsch – schon war sie vorbei, grüßend mit der Winke-Hand, wie wir es von ihr kannten … Ach, Elisabeth, wir waren ja so an Dich gewöhnt!

Whitehead entpuppte sich als überaus liebens- und lebenswerter Ort, – Bahnanbindung (in 20 Minuten nach Belfast), viele Sporteinrichtungen, Kinderspielplätze, nette Läden, schöne Häuser und bemerkenswert saubere Straßen. Recht wehmütig bereiteten wir uns auf den Abschied von Whitehead vor, am besten mit einem Glas Wein am letzten Abend im Pub!

So, das war Nordirland. Morgen Nachmittag geht’s schon auf den Heimweg. Die Fähre nach Cairnryan in Schottland fährt um 15.30 Uhr ab.

Über die Erlebnisse auf der Rückreise schreiben wir im nächsten Bericht DUMFRIES

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Comments
  • Michael
    Antworten

    Liebe Anne, lieber Frederick
    Wieder ein sehr interessanter Beitrag, durch den ich mich, trotz seiner Länge, gerne “durchgearbeitet” habe.
    Nordirland scheint an uns Campern nicht sonderlich interessiert zu sein, wie die Stellplatzsituation zeigt.
    Das gleiche Problem haben wir hier in der Schweiz auch. Leider!
    Weiterhin gute Fahrt, mit lieben Grüssen, auch von Renate
    Michael

    PS: Wir wollen in den nächsten Tagen auch wieder losziehen. Mal schauen, oben wir den Norden Deutschlands erreichen.

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